20. Juni 2026

Kunst spricht dort, wo Worte nicht ausreichen

Auf dem internationalen Kongress „The Healing Arts" in Berlin präsentierte das Forschungsinstitut Havelhöhe aktuelle Studien zu künstlerischen Therapien in der Onkologie.

Auf dem internationalen Kongress „The Healing Arts – Forging Alliances of Arts & Medicine" (übersetzt: „Die heilenden Künste – Brücken zwischen Kunst und Medizin schaffen"), der vom 18. bis 20. Juni 2026 in Berlin stattfand, präsentierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsinstituts Havelhöhe und des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe aktuelle Forschungsergebnisse zu künstlerischen und integrativen Therapieansätzen in der Onkologie.

Christian Grah stellte aktuelle Ergebnisse des integrativen Versorgungsprogramms ACCEPT® (A Complementary Anthroposophical Program for the Palliative Treatment of Lung Cancer) für Patientinnen und Patienten mit Lungenkrebs vor. Die prospektive Studie zeigte signifikante Verbesserungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, der psychischen Belastung, der Schlafqualität sowie der tumorassoziierten Fatigue. Zudem ergaben sich signifikante Hinweise auf einen positiven Einfluss einer hohen Programmadhärenz auf das Gesamtüberleben.

Mona Gad präsentierte Zwischenergebnisse ihrer Dissertation einer kontrollierten Studie zur Wirkung eines strukturierten Argentinischen Tango-Programms bei Brustkrebsüberlebenden. Die Untersuchung zeigte deutliche und langfristige Verbesserungen der tumorassoziierten Fatigue. Im Vergleich zu einer historischen Kontrollgruppe führte die Tango-Intervention zu einer achtfach stärkeren Reduktion der Fatigue. Darüber hinaus verbesserten sich die körperliche und soziale Funktionsfähigkeit sowie die Schlafqualität der Teilnehmerinnen.

Charlotte Streffer stellte Zwischenergebnisse ihrer Dissertation zur prospektiven Studie zur Metallfarblichttherapie (MFLT) bei Brustkrebspatientinnen in der Nachsorge vor. Erste Ergebnisse zeigen signifikante und anhaltende Verbesserungen der tumorassoziierten Fatigue sowie von Schlafstörungen und weisen auf das Potenzial der Metallfarblichttherapie zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität von Brustkrebsüberlebenden hin. Beide Promotionsarbeiten sind in Zusammenarbeit des FIHs (Friedemann Schad) mit dem Brustzentrum des GKHs (Jessica Groß) entstanden.

Die Beiträge des Forschungsinstituts Havelhöhe und des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe unterstreichen die langjährige Expertise im Bereich künstlerischer Therapien. Der Kongress machte deutlich, dass künstlerische Interventionen gerade in Zeiten persönlicher und gesellschaftlicher Krisen Menschen dabei unterstützen können, Belastungen zu verarbeiten, neue Perspektiven zu entwickeln und Resilienz zu stärken.

Kunst eröffnet Räume für Begegnung, Selbstwirksamkeit und Heilung und stellt damit einen wichtigen Bestandteil einer integrativen und patientenzentrierten Medizin dar.

Vor dem Hintergrund der aktuellen gesundheitspolitischen Entscheidungen in Deutschland gewinnt diese Frage zusätzlich an Bedeutung. Die WHO Global Traditional Medicine Strategy 2025–2034 betont ausdrücklich, dass traditionelle, komplementäre und integrative Medizin evidenzbasiert, sicher und patientenzentriert in Gesundheitssysteme eingebunden werden soll. Eine Einschränkung solcher Leistungen, wie jetzt beschlossen, steht daher den internationalen Entwicklungen hin zu einer integrativen und patientenzentrierten Gesundheitsversorgung entgegen und ist Ansporn, durch gute klinische Praxis und Forschung diese Medizin weiter zu entwickeln.

Beitrag von Anja Thronicke und Friedemann Schad